31. Januar 2015

Kunst: Neukölln

Neukölln ist bekannt. Seit Christiane F. ist klar, dass man da nicht gut lebt. 
Lange das Sorgenkind Westberlins und beschimpft als Untergang des Abendlandes, lebt Neukölln inzwischen auf, wird kultig erhöht und gefeiert. Aber gemalt wird es selten.
Da macht Milena Aguilar (geb.1968 in Linz) eine Ausnahme:

vertreten durch Edition Stella A.

Die Künstlerin hat ein fest umrissenes Themenfeld:
Petit Fours, Insekten, Spielzeugsoldaten, Landschaften und Neukölln.  
Eine ungewöhnliche Mischung, die mir gefällt. Ich besitze bereits ein Törtchen Bild und zwei Insekten Radierungen und hätte sehr gerne noch eine Neukölln Impression.

26. Januar 2015

Inspiration: Mallorca

Bisher wollte ich nicht nach Mallorca. Natürlich ist die Landschaft wunderschön, und die Ballermänner kann man umgehen, das ist klar. Aber ich hatte schon öfter Zwischenlandungen in Palma und was sich da im Flughafen abspielte, hat mich nicht bestärkt die Vorurteile gegenüber Mallereisenden abzulegen. Entweder sind die vorgeglüht-hackedicht durch die Gänge gegrölt oder haben diese Koffer mit dem berühmten Monogramm, gerne auch mit Hündchen und Golfgarnitur darin, hinter sich hergetrippelt. Pest oder Cholera.
Aber es geht auch anders. Man kann sich zum Beispiel bei der Foundation Utzon bewerben, ob man in dem wunderschönen Haus "Can Lis" des dänischen Architekten J.Utzon (die berühmte Sydney Oper ist von ihm) Urlaub machen darf. 
Das Haus von 1971 ist seit 2011 im Besitz der Foundation und für Studienzwecke, Seminare usw. originalgetreu wieder hergestellt worden. Ein Art-in-Residence Programm gibt es auch, und wenn dann noch Zeit ist, kann man das Haus mieten.
Also nur Architekten und nur nach Bewerbung. Das ist natürlich eine Hürde, sozusagen das Gegenteil von barrierefrei, muss aber sein, sonst ist wieder alles voller XXL Strohhalme und Monogrammkoffer.
Ich probier's mal. Wenn es klappt, gibt es einen feinen Beitrag hier.

www.canlis.dk
Alles aus mallorquinischen Sandstein.



Für weitere Träume und Inspiration, empfehle ich die Homepage Urlaubsarchitektur .

13. Januar 2015

Gimme Vipp Shelter

Zur Teit ist das Bedürfnis sich von der Welt zurückziehen zu können, sehr stark. Sicher nicht nur bei mir.
Wenn man über ein Grundstück und Geld für ein Refugium verfügt, wie es die dänische Designfirma Vipp entwickelt hat, ist das kein Problem. Es ist sogar perfekt.
Vipp ist ja ursprünglich für hochwertige Stahltreteimer bekannt geworden. 
Seit Jahren machen die aber auch Küchen- und Badezimmermodule, immer hochwertig, immer teuer, immer schön. 
Jetzt haben sie ihr Portfolio nochmal erweitert und das erste architektonische Projekt vorgestellt: Ein 55qm stählerner Rückzug, der in 3-5 Tagen als plug and play Shelter aufgebaut werden kann.
Leider kostet das 480.000 €, immerhin komplett eingerichtet mit Bettwäsche, Lampen, Spiegel, Küche-Badmodul und Treteimer! Kann ich nur von träumen. Macht auch Spaß.


Design: Morten Jensen

Innen natürlich auch nur Produkte von Vipp. Sehr dark, weil Ernst ist neue Heiter.
Schlafen kann man in den oberen Aufbauten. Alles mit Stahlfassade, das Material, das Vipp meisterlich verarbeitet.
Ach ja!

Humor haben die auch, weil der Shelter kann im Vipp Online Shop einfach in den Einkauswagen geklickt werden. Einfach die Anzahl eingeben und bestellen.


9. Januar 2015

JE SUIS CHARLIE, AUSSI ?

In meiner Kindheit gab es den Spruch:
 "Allah ist groß, Allah ist mächtig. Wenn er auf den Stuhl steigt, 1 Meter 60." 
Das haben alle lustig gefunden, auch die muslimischen Kinder. Wenn man das heute zeichnet und veröffentlicht, ist man dann schon ein "Charlie", ein Angriffsziel?
Ich weiß es nicht, aber die Humorlosigkeit und Blutrauschgeilheit machen Angst. 
Ich kann da doch nicht weiter über Häppchen aus der schönen Welt des Designs, der Kunst, des guten Lebens schreiben. Oder gerade doch ?

7. Januar 2015

Ärgernis Supersense

Hier gehts mal um was Ärgerliches, muss auch mal sein: 
Das Supersense in der Wiener Leopoldstadt. 
Das ist kein Spa, sondern ein ultrahipper concept store für analoge Musik, Fotografie und Grafik mit Café in einer sehr tollen alten Location (Dogenhof). Klingt gut für mich. Die Eigenbeschreibung lautet "weltweit erster Feinkostladen für alle Sinne und analoge Delikatessen". Klingt total doof für mich. Aber ich brauchte Polaroidfilme, die dort natürlich verkauft werden, weil die erstens hip und analog sind und zweitens, weil der Retter des Sofortbildspaßes, Florian Kaps, der Gründer und Besitzer von Supersense ist.
Natürlich wollte ich mir auch einen persönlichen Eindruck verschaffen, wo schon alle Welt drüber redet. Kein Blog über Wien ohne Supersense, war ein Ziel des Gründers. Das kann er haben, auch von mir.
Aber es war schon mal keine so gute Idee mit Freunden hinzugehen, die ein Kleinkind dabei hatten. Denn, obwohl das ein Laden für Bobos ist, die in der Altersklasse Eltern spielen, sollten Kinder da eher nicht rein. Unsere Kleine hat ein Geschenkpapier berührt, das war nur gegen Sofortkauf wieder zu entkriminalisieren. Aber darum geht es nicht. 
Es geht darum, dass das Ganze ein schönes Café mit einer Menge analogen Kram ist, den man zwar schon irgendwie gegen Gebühr und Anmeldung und Hallo sagen benutzen könnte, man das aber wegen der Gebühr, der Anmeldung und dem Hallo sagen lieber nicht macht. Sehr hochschwellig, würden Soziologen sagen. Ein Portrait 20x24 mit der, wow, ältesten instant camera of the world kostet hochschwellige 250 Euro.
Blöd, wenn man dann niesen oder zwinkern muss. 
Man kann auch in einem alten Elevator Vinylplatten aufnehmen (sogar günstig) oder eine alte Druckerpresse anwerfen oder Nippes aus Papier und Zubehör für Sofortbildkameras kaufen. Alles keine Verkaufsschlager. Das Kaffeetrinken geht sicher am besten, daher ja auch concept store, also auf gutdeutsch ein Themenrestaurant. Enttäuschend, aber das macht nichts, denn ich muss ja nichts kaufen und ich habs ja auch nicht bezahlt. Nicht ?!
Das Supersense hat die höchste Förderung von Departure (Agentur der Kreativwirtschaft der Stadt Wien) erhalten, die die zu vergeben haben. Und zwar, jetzt kommt das Ärgerliche, für das "innovative Vertriebsmodell einen realen, traditionellen Shop mit einem online store zu kombinieren"! 
Geht's noch? Ich meine, Erlebnisgastronomie können die natürlich nicht fördern, aber einer Homepage 200.000 Euro Steuergeld geben, weil die über einen Einkaufswagen verfügt ???
Da sieht man wieder, gute Vernetzung ist alles, Inhalt nichts.


Prächtige Räume, toll hergerichtet. Viele Sachen kann man aber übrigens nicht über die Homepage kaufen, also doch hingehen.




Im neuen Jahr hat sich die Wirtschaftskammer Wien und Departure umorganisiert und eine neue Homepage geschaltet. Alle Infos, welche Projekte warum mit wieviel Geld gefördert wurden, sind jetzt gelöscht. Warum?


4. Januar 2015

Du bist kein Berliner





Wenn man als Berliner in Wien lebt, bekommt man viel Anerkennung und Respekt, ja sogar Bewunderung nur dafür, das man eben aus Berlin kommt. Das ist kurios, denn Berlin ist groß, und ich könnte ja auch aus Berlin Kladow, Lübars oder aus Spandau stammen! Daran denkt und fragt aber keiner. 
Berlin? Cool! 
Eine häufige Reaktion ist auch ein unbändiger Drang mir von eigenen, ultracoolen Berlinerfahrungen zu berichten. Und das nervt doch. Da geht's dann immer um die Schlange vorm Berghain und versackten Nächten in der Russendisko vom Café Burger oder in anderen mir völlig unbekannten Szenetreffs. Ich lebe ja jetzt in Wien und kenne nicht mehr alles, aber ich denke mir dann nur "Du bist kein Berliner!", 
denn wenn man so unsägliche, aber typische Orte wie den Fehrbelliner Platz oder den Steglitzer Bierpinsel nicht kennt, dann hat man von Berlin keine Ahnung.  
Es gibt eine ganz eigene (West) Berliner Spießigkeit, die sich an diesen Orten und in TV Serien wie "Drei Damen vom Grill" und "Praxis Bülowbogen" manifestiert. Kennt man das, versteht man auch die Karriere von Klaus Wowereit und weiß überhaupt viel vom Berliner Wesen, das gar nicht undergroundig, sondern muffig ist.


Der Fehrbelliner Platz mit Verwaltungsgebäude aus den 30er Jahren und lustigen Denkmal. Und knalligen U-Bahn Eingang.
Der von den Berlinern spaßig getaufte Bierpinsel. Ein Frühwerk der Architekten, die auch dass ICC gewagt haben.
Schlangenbadener Straße. Geniale Idee, eine Autobahn mit einem gigantischen Wohnkomplex zu überbauen. Good Vibrations.
Der Walter Rathnenau Platz mit der umstrittenen Autoskulptur von W. Vostell (stärkster Bürgerprotest der 80er gegen ein Kunstwerk). Eine Hommage an die nackte Maja von Goya. Ach?

Umgekehrt sind auch Wiener in Berlin sehr beliebt und gut angesehen, im Gegensatz zu Bayern und Schwaben. Und die Berliner haben meistens auch keine Ahnung von Wien, aber der Wiener Dialekt gilt als charmant und die Küche als unwiderstehlich, was zahlreiche Austria Lokale am Leben erhält. Vorreiter war das legendäre "Exil" von Ossi Wiener (Papa von Sarah Wiener), das übrigens neben allem anderen auch sehr hübsche Streichholzpackungen verschenkte. Hat die noch jemand? 

2. Januar 2015

Kinder Kitchen

2015, das Jahr der süßesten Kinderspielküche! 
Liebevoll aus alten Obstkisten gebaut, nicht von mir natürlich, sondern von J. Bretterbauer (jaja nomen est omen), der das unter Umständen auch für andere süße Kinder bauen würde. Kontakt über mich.




Besonderes Detail sind natürlich die fantasieanregenden Bilder aus dem Buch "Nose to Tail" v. Fergus Henderson.